Die große Sensation ist diesmal ausgeblieben. Nach zwei Siegen und einem Remis in der EHF Champions League mussten die Handballdamen von Borussia Dortmund am Samstagnachmittag ihre zweite Niederlage in der Königsklasse hinnehmen. 

Der HC Rostov-Don, Tabellenführer der Gruppe A der Champions League, war dann doch eine Nummer zu groß für den stark ersatzgeschwächten Deutschen Meister. Die Russinnen setzten sich mit 37:27 (17:11) durch und unterstrichen dabei ihre Favoritenrolle. „Wir sind nicht ganz zufrieden, weder mit der Leistung noch mit dem Ergebnis, müssen aber anerkennen, dass in Rostov nichts zu holen war. Wichtig war, dass wir bis zur letzten Minute gekämpft haben, was die Mannschaft ja auch auszeichnet“, lautet das Fazit von BVB-Trainer André Fuhr. 

Als sich der BVB-Tross am Samstagmorgen um 5 Uhr am Flughafen Dortmund zum Abflug nach Rostov getroffen hatte, musste Trainer André Fuhr den ersten Tiefschlag wegstecken. Fatos Kücükyildiz, gerade erst von einer Bänderverletzung genesen, hatte sich mit Magenproblemen krank abgemeldet. Die bereits angespannte personelle Situation wurde damit nochmals verschärft. 

Die Mannschaft von Trainer André Fuhr hielt die Niederlage angesichts dessen in Grenzen. „Am Ende muss man anerkennen, dass der Gegner auch in dieser Höhe besser war. Wir haben viele lobende Worte vom gegnerischen Trainer bekommen. Ich merke daran, dass wir uns auch in der Champions League viel Respekt erworben haben. Man muss einfach festhalten, dass wir zu eng besetzt sind, nur vier Rückraumspielerinnen für drei Positionen hatten, nachdem Fatos Kücükyildiz ausgefallen war.“

Die Beanspruchung in den vergangenen Wochen und besonders in dieser Woche war hoch angesichts der engen Personalsituation. Am Mittwochabend hatte der BVB noch sein Meisterschaftsspiel in Bensheim gewonnen. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es bereits am Samstagmorgen weiter in den Süden Russlands. Einmal ins 2500 Kilometer entfernte Rostov am Don hin und abends wieder zurück. Dazwischen eine kurze Warmmach-Einheit, Mittagessen und ein Spaziergang. 

Die Verhältnisse auf dem Parkett waren am Nachmittag relativ schnell geklärt. Als Laura van der Heijden in der elften Minute ihren Treffer zum 4:7 setzte, keimte so etwas wie Hoffnung auf. Auf ein ausgeglichenes Spiel, vielleicht auf einen Zähler, auf die Sensation. Doch Rostov zeigte, warum es ein Top-Team auf Europas Bühne ist. „Die Russinnen befinden sich in einer anderen Klasse als wir, die haben als Ziel das Final4“, so Fuhr vor dem Spiel über den Tabellenersten der Gruppe A. „Das ist eine Top-Mannschaft mit anderen Ambitionen in der Champions League.“

Geschlagene sieben Minuten lang blieben die Dortmunderinnen nach dem Treffer von Laura van der Heijden erfolglos, das Tor von Rostov-Don schien wie vernagelt. Hintereinander scheiterten Zschocke, zweimal Freriks und Sando am starken, großgewachsenen russischen Block, ehe die Norwegerin Frida Rønning endlich das fünfte Tor für den BVB erzielte. Da waren 18 Minuten gespielte und es stand 11:5 für die Gastgeberinnen. „Nach acht Minuten hatte wir vier Fehlpässe, haben in der ersten Halbzeit durch viele leichte Fehler früh den Anschluss verloren, haben in der Abwehr keinen richtigen Zugriff bekommen und vorne fehlte uns über weite Strecken die Durchschlagskraft, insbesondere von den Außenpositionen hatten wir keine gute Quote“, kommentierte André Fuhr das 17:11 zur Pause. 

Während Rostov-Don sich in der Offensive auf seine Linksaußen Polina Kuznetsova (5 Tore) und auf die Rückraum-Mitte-Spielerin Grace Zaadi Deuna (vier Tore) verlassen konnte, dazu in der Abwehr auf Eduarda Amorim und die 1,86 m große Anna Sen baute und mit einer Effektivität von über fast 70 Prozent glänzte, kam der BVB auf eine Effektivität von 47 Prozent bis zur Pause.  

In Durchgang zwei machte sich die hohe Beanspruchung in den vergangenen Wochen und die immer noch lange Verletztenliste dann endgültig negativ bemerkbar. Rostov-Don baute den Vorsprung kontinuierlich aus. In der 40. Minute erhöhte Rechtsaußen Managarova auf 23:13, zehn Minuten später stand es 30:20. Die aufopfernd kämpfende Mia Zschocke hatte ihren fünften Treffer erzielt. Als Alina Grijseels (alle ihre fünf Tore nach der Pause) in der letzten Spielminute zunächst per Siebenmeter zum 26:36 und 15 Sekunden vor Schluss zum 27:36 traf, war der Rückstand des BVB zumindest wieder einstellig, ehe Anna Sen mit dem Abpfiff zum 37:27 verwandelte.

BVB: Kohorst, ten Holte; Zschocke (6), Van der Heijden (4), Freriks (1), Berger (2), Grijseels (5/1), Sando (3), Moreno (2), Abdulla, Gutierrez Bermejo, Rønning (4)